Scan barcode
A review by mo_mentan
Hochbegabung und Hochsensibilität: Grundlagen, Erfahrungswissen, Fallbeispiele by Theres Germann-Tillmann
3.0
*2.5
phuuuu hat mich dieses buch aufgeregt. so vieles in mir sträubt sich gegen so vieles darin.
ich habe dieses buch auf empfehlung meiner therapeutin gelesen, insbesondere in bezug auf hochsensibilität und die überschneidung mit hochbegabung. leider macht das nur einen sehr kleinen teil des buches aus, ich habe dennoch einiges gelernt.
anfangs las ich nur die kapitel, die mich besonders interessierten, das war noch ganz ok. das buch ist grösstenteils (mit ausnahme des kapitels w) gut verständlich geschrieben und ich habe mich in teilen sehr gesehen gefühlt. gleichzeitig war daszwischen einfach sooo viel arroganter bullshit und fehlende analyse, meiner ansicht nacht. ich tat mich schwer mit manchen beschreibungen vom hochbegabten leben, der ständigen, scheinbar unausweichlichen genervtheit und ungeduld, die insbesondere sogenannt "normalbegabte" menschen ausgleichen sollten - mein eindruck ist, dass hier viel von der üblicherweise männlichen sozialisierung erkannter hochbegabter einfliesst, denn die meisten weiblich sozialisierten hochbegabten die ich kenne, sind sozial extrem kompetent und können ihre empathie auch so anwenden, dass sie menschen nicht unnötig brüskieren und nicht nur nicht angeberisch erscheinen, sondern es auch nicht sind. zu behaupten, dass hochbegabte generell nicht angeben wollen, ist zu kurz gegriffen. das weiss ich von mir selbst und langen phasen von selbstbild und -definition durch meine leistungen, die sich bestimmt auch durch angeberei und fehlendes einfühlen inandere ausgedrückt haben, aber insbesondere auch von verschiedenen männlich sozialisierten hochbegabten, mit denen ich mich insbesonderen in begabtenförderungskursen herumschlagen durfte - hochbegabung kombiniert mit männlicher sozialisierung scheint in unserer gesellschaft ein akzeptierter freifahrtschein für arschlochtum zu sein. aggression, manipulation, spielen mit den gefühlen anderer kinder, ein gefühl von überlegenheit, edge lord mentalität, latenter sexismus und sozialdarwinistische weltansichten sind einige verhaltensweisen und einstellungen, die mir dabei begegnet sind.
alles in allem erscheint dieses buch so unglaublich unapologetically wertend und hierarchisierend, es stellt das kaum je in frage und ist auch noch stolz drauf. hochbegabte sollten für führungspositionen bevorzugt werden und sollten allgemein besser entlöhnt werden? hochbegabte werden immer missverstanden und haben nie böse absichten? diesem buch fehlt jegliche klassen- und sexismusanalyse, es ist dem neoliberalismus geradezu verfallen und die autor*innen rühmen sich auch noch mit ihrem ach so kritischen, out of the box und autoritätshinterfragenden denken - das zeigt sich aber fast nur in ihren sehr schwurbligen tendenzen, respektive nehmen sie diese als beweis dafür - i beg to differ. ich kann mir gar nicht vorstellen, wie unglaublich unzugänglich dieses buch sein muss, wenn mensch sich selbst nicht als hochbegabt versteht.
ich möchte einfach nicht ein solcher hochbegabter mensch sein und diesen, wenn auch grossen und übergreifenden, teil meines lebens so sehen, wie es in diesem buch dargestellt wird. selbstmitgefühl ist eine sehr wichtige eigenschaft füt hochbegabte menschen, aber ebenso ist empathie und ein liebevoller, zugänglicher umgang mit mitmenschen (wenn ich "normalbegabt" schon höre), speziell, wenn sich die autor*innen doch so rühmen, durch ihre hochbegabung kombiniert mit ihrer hochsensibilität sooo viel einfühlungsvermögen zu haben.
auf alles drauf kommt das fehlende gendern, binäre geschlechterdenken und nicht zuletzt tatsächlich eine rassistische fremdbezeichnung. hochbegabte werden ausserdem ziemlich eindeutig fast ausschliesslich als _weiss_ und mittelständig-bildungsnah gedacht.
ich gebe drei und nicht zwei sterne, weil ich glaube, dass das auch sehr persönlich bedingt ist und ich nicht auf mein missbilligendes, trotziges ich zurückschauen will.
phuuuu hat mich dieses buch aufgeregt. so vieles in mir sträubt sich gegen so vieles darin.
ich habe dieses buch auf empfehlung meiner therapeutin gelesen, insbesondere in bezug auf hochsensibilität und die überschneidung mit hochbegabung. leider macht das nur einen sehr kleinen teil des buches aus, ich habe dennoch einiges gelernt.
anfangs las ich nur die kapitel, die mich besonders interessierten, das war noch ganz ok. das buch ist grösstenteils (mit ausnahme des kapitels w) gut verständlich geschrieben und ich habe mich in teilen sehr gesehen gefühlt. gleichzeitig war daszwischen einfach sooo viel arroganter bullshit und fehlende analyse, meiner ansicht nacht. ich tat mich schwer mit manchen beschreibungen vom hochbegabten leben, der ständigen, scheinbar unausweichlichen genervtheit und ungeduld, die insbesondere sogenannt "normalbegabte" menschen ausgleichen sollten - mein eindruck ist, dass hier viel von der üblicherweise männlichen sozialisierung erkannter hochbegabter einfliesst, denn die meisten weiblich sozialisierten hochbegabten die ich kenne, sind sozial extrem kompetent und können ihre empathie auch so anwenden, dass sie menschen nicht unnötig brüskieren und nicht nur nicht angeberisch erscheinen, sondern es auch nicht sind. zu behaupten, dass hochbegabte generell nicht angeben wollen, ist zu kurz gegriffen. das weiss ich von mir selbst und langen phasen von selbstbild und -definition durch meine leistungen, die sich bestimmt auch durch angeberei und fehlendes einfühlen inandere ausgedrückt haben, aber insbesondere auch von verschiedenen männlich sozialisierten hochbegabten, mit denen ich mich insbesonderen in begabtenförderungskursen herumschlagen durfte - hochbegabung kombiniert mit männlicher sozialisierung scheint in unserer gesellschaft ein akzeptierter freifahrtschein für arschlochtum zu sein. aggression, manipulation, spielen mit den gefühlen anderer kinder, ein gefühl von überlegenheit, edge lord mentalität, latenter sexismus und sozialdarwinistische weltansichten sind einige verhaltensweisen und einstellungen, die mir dabei begegnet sind.
alles in allem erscheint dieses buch so unglaublich unapologetically wertend und hierarchisierend, es stellt das kaum je in frage und ist auch noch stolz drauf. hochbegabte sollten für führungspositionen bevorzugt werden und sollten allgemein besser entlöhnt werden? hochbegabte werden immer missverstanden und haben nie böse absichten? diesem buch fehlt jegliche klassen- und sexismusanalyse, es ist dem neoliberalismus geradezu verfallen und die autor*innen rühmen sich auch noch mit ihrem ach so kritischen, out of the box und autoritätshinterfragenden denken - das zeigt sich aber fast nur in ihren sehr schwurbligen tendenzen, respektive nehmen sie diese als beweis dafür - i beg to differ. ich kann mir gar nicht vorstellen, wie unglaublich unzugänglich dieses buch sein muss, wenn mensch sich selbst nicht als hochbegabt versteht.
ich möchte einfach nicht ein solcher hochbegabter mensch sein und diesen, wenn auch grossen und übergreifenden, teil meines lebens so sehen, wie es in diesem buch dargestellt wird. selbstmitgefühl ist eine sehr wichtige eigenschaft füt hochbegabte menschen, aber ebenso ist empathie und ein liebevoller, zugänglicher umgang mit mitmenschen (wenn ich "normalbegabt" schon höre), speziell, wenn sich die autor*innen doch so rühmen, durch ihre hochbegabung kombiniert mit ihrer hochsensibilität sooo viel einfühlungsvermögen zu haben.
auf alles drauf kommt das fehlende gendern, binäre geschlechterdenken und nicht zuletzt tatsächlich eine rassistische fremdbezeichnung. hochbegabte werden ausserdem ziemlich eindeutig fast ausschliesslich als _weiss_ und mittelständig-bildungsnah gedacht.
ich gebe drei und nicht zwei sterne, weil ich glaube, dass das auch sehr persönlich bedingt ist und ich nicht auf mein missbilligendes, trotziges ich zurückschauen will.